Geschützt: Unschärfe und Gefahr der ‚Gemeinsinn-Ökonomie‘ im Leitbild der Cusanus Hochschule?

  • by fabian
  • 14. August 2019
  • 2 Comments

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2 Kommentare on Geschützt: Unschärfe und Gefahr der ‚Gemeinsinn-Ökonomie‘ im Leitbild der Cusanus Hochschule?

[Kommentar fabian: Eine Antwort auf die nachfolgenden Äußerungen von Lukas findet sich weiter unten.]

Obwohl er offenbar Aufklärung und kritische Diskussion befördern will, schafft dieser Beitrag das Gegenteil: er leitet in die Irre und schafft ein Diskursklima des Misstrauens. Wegen schlechten Erfahrungen mit dieser Art von Diskursklima in der jüngsten Vergangenheit unserer Institution möchte ich hier als Mitarbeiter am IfÖ, der an der Entwicklung des Gemeinsinn-Narratives beteiligt war, zumindest einige der Punkte richtig stellen:
Fabian
(1.) nimmt im ersten Abschnitt eine einseitige Darstellung des studentischen Meinungsklimas vor (mangelnde Kontroversität in der Darstellung)
(2.) gibt im zweiten Abschnitt Raum für „wunderbare[e]“ Häme und Spott, legitimiert sie somit, statt diese Haltungen zu verurteilen,
(3.) führt im gleichen Abschnitt einen nicht begründeten oder bewiesenen Vorwurf ins Feld, der dem Präsidium unterstellt, eigene Vorstellungen verabsolutiert und damit ‚die‘ ehem. Philosophie verunmöglicht zu haben und diesen Vorgang als Ablenkungsmanöver von „möglichen Schwächen im Bereich der Finanzierung“ intendiert zu haben (Desinformation und Unterstellung)
(4.) bemängelt im gleichen Abschnitt eine fehlende inhaltliche Debatte um den Gemeinsinn-Begriff am IfÖ, ohne diese Behauptung mit Darstellungen anderer IfÖ-Mitglieder als derjenigen von Beckenbach zu kontrastieren und ohne weiterhin die angenommene Notwendigkeit einer solchen Debatte für den Zweck des Kolibri-Narratives kritisch einzuordnen. Damit baut er eine Leerstelle auf, um diese dann zu monieren (Desinformation und mangelnde Kontroversität in der Darstellung)
(5.) behauptet im dritten Abschnitt, dass es „feststeht, dass es [das Narrativ, Anm. L.B.] nicht vom akademischen Senat abgesegnet“ wurde, ohne zu begründen, weswegen die Verwendung des Narratives als Mittel der Studierendenwerbung und des Fundraisings eines Senatsbeschlusses bedurft hätte; v.a. aber ohne anzugeben, dass das Narrativ und seine Nutzung in Studierendenwerbung und Fundraising des Instituts während der Institutssitzung Ende Februar bei zwei Enthaltungen und keiner Gegenstimme angenommen wurde (Desinformation). Ob diese Entscheidung dann nachträglich – wie üblich – vom Senat auch noch formal bestätigt wurde, weiß ich nicht (dann wäre es eine Falschinformation).

Dann widmet sich der Artikel der Veröffentlichung und Bewertung von Auszügen des Beckenbach-Papieres. Aus Respekt gegenüber dem Diskussionsraum des IfÖ werde ich von einer Stellungnahme zum Papier an dieser Stelle absehen und zur Darstellung des Papieres auf dem Blog nur dieses eine hinzufügen: Diskriminierung von Gruppen und Anliegen läuft in unserer Gesellschaft nicht immer über den Weg einer offenen, streitbaren Auseinandersetzung, sondern entfaltet gerade dort ihre Macht, wo sie den Gruppen und Anliegen ihre Sprache nimmt (die Diskriminierungsforschung spricht in solchen Fällen von ‚epistemischer Gewalt‘). Die Gemeinsinn-Ökonomie ist ein neues Sprachangebot für eine neue Form und einen neuen Zweck von Ökonomie und Ökonomik. Sie könnte damit auch als ein ernsthafter Umgang mit der zumindest im ÖkMA immer wieder formulierten studentischen Kritik aufgenommen und gewürdigt werden, nicht bei Kritik und Dekonstruktion stehen zu bleiben, sondern auch einen positiven Ökonomie- und Gesellschaftsentwurf anzubieten. Die Sache ist im Werden und die im Titel monierte Unschärfe des Begriffes ist ja gerade der Sinn und Zweck der IfÖ-Klausur.

Neues sollte in einer solchen prinzipiell unscharfen Entstehungsphase abgewogen und kritisiert werden – es sollte aber m.E. auch nicht im Keim erstickt werden, weil die Diskussion von vorne herein gestört oder ihr misstraut wird. Und Neues sollte m.E. in seinem Kontext beurteilt werden, der in diesem Fall in einer ökonomisierten, neoliberalen Gesellschaft beschrieben werden könnte. Ein möglicher Entschluss Fabians hätte auch sein können, das Beckenbach’sche Papier in Ansehung des derzeit dominanten öffentlichen oder wissenschaftlichen Diskurses über Ökonomie auch einfach zu ignorieren, bzw. der internen Diskussion der Mitglieder des IfÖ zu überantworten.

Das ist schließlich der Ort, von dem die Debatte ausgegangen und wo sie nun für September angesetzt war und ist und in dessen Kontext auch das Papier entstanden war. Der Artikel missachtet nicht nur diesen geschützten Diskussionsraum, sondern lenkt nun die Aufmerksamkeit einseitig auf das Beckenbach-Papier, obwohl auch andere Mitglieder des Institutes ihre Gedanken vorbringen und diskutiert wissen wollen. Ich würde mir wünschen, dass die Klausur und ihr Ergebnis nun nicht einseitig im Hinblick auf die Thesen Beckenbachs, sondern im Hinblick auf die konzeptionelle, kritische Durchleuchtung des Begriffes und seiner Potentiale über die Bereiche der IfÖ-Studierendenwerbung und dem IfÖ-Fundraising hinaus beobachtet und beurteilt werden.

Viele Grüße,
Lukas

Lieber Lukas,

deine Stellungnahme übersieht meines Erachtens einen wesentlichen Aspekt: Die Kritik Beckenbachs steht z.Zt. allen Studierenden zur Verfügung, unkommentiert mit zwei Hinweisen versehen:
(a) Das Präsidium habe Beckenbach nahegelegt, seine Stellungnahme nicht zu veröffentlichen, (b) es fehlt z. Zt. ein offener Diskursraum über das Narrativ.
Bei allen Problemen mit dem Narrativ im Umfeld der Hochschulkrise ist Aussage (b) dahingehend zu relativieren, dass es bereits eine interne Diskussion im Institut gibt, die im September weitergeführt wird. Zudem verweist der Artikel darauf, dass im Oktober ein gemeinsames Seminar mit allen Studierenden zum Narrativ geplant ist.
Aussage (a) wurde von der Referentin der Vizepräsidentin auf explizite Frage hin weder bestätigt noch dementiert, Beckenbach hat sich per E-Mail dazu ebensowenig explizit geäußert.
Der Artikel versucht u.a. darüber Klarheit zu schaffen, für den Kreis der Studierenden, die allein darauf Zugriff haben, während die Hochschule weitestgehend in der Sommerpause ist. Insofern wollte ich das kursierende Papier nicht ‚ignorieren‘ oder allein der ‚internen Debatte … überantworten‘, da es Beckenbach selbst Studierenden zur Verfügung gestellt hat und einige sich gegenwärtig ein Urteil bilden werden. Auf welcher Grundlage? Insofern dient meine Darstellung gerade nicht dem Zwecke, der Diskussion über das Narrativ die ‚Sprache zu nehmen‘ oder ‚einseitig‘ in Richtung der Fragen Beckenbachs zu verschieben. Allein dass ich eine Teil-Kommentierung auch der inhaltlichen Kritik vornehme, nimmt niemandem etwas weg und trägt womöglich zur Debatte in der Studierendenschaft bei.

Zu deinen Kritikpunkten:
(1) mangelnde Darstellung der Kontroversität in der Studierendenschaft über das Narrativ während der Hochschulkrise: Ich habe von Ende Januar bis Anfang März keine positive Äußerung innerhalb der Studierenden vernommen, war in dieser Zeit jedoch häufig vor Ort im Studierendenhaus und habe zum Zweck der Vermittlung mit vielen gesprochen. Womöglich wurde eine solche wohlwollende Äußerung im Klima, das fast durchgängig gegen die Entscheidungen des Präsidium wehte, nicht geäußert. Insofern lege ich keine Studie vor, sondern berichte von meinem Eindruck aus vielen Gesprächen vor Ort nach Aufkommen des Narrativs.
(2) Legitimierung von Häme und Spott statt diese zu verurteilen: Hier gebe ich wieder, welche Äußerungen hinsichtlich des Narrativs mir begegnet sind. Diese sind in meinen Augen nicht zu ‚verurteilen‘, sondern zeigen im Zusammenhang des Absatzes, dass das Narrativ während einer intern denkbarst ungünstigsten Zeit präsentiert wurde – auch wenn es für Fundraising und Studierendenwerbung höchste Zeit war, nicht nur wegen der Krise.
(3) Verabsolutierung eigener Vorstellungen/Finanzprobleme: Ich vertrete weiterhin die Position, dass eine unilaterale Entscheidung, die die davon betroffenen Menschen, Mitarbeiter_innen wie Studierende, nicht einbezieht, eine Verabsolutierung eigener Vorstellungen ist. Dass finanzielle Schwierigkeiten nicht allein dem Institut für Philosophie zuzuweisen sind, wie zunächst geschehen, wurde im Nachklang der Krise meines Erachtens deutlich; gerade auch in der Begründung neuer Fundraising-Strategien, worin die alten als ‚gescheitert‘ bezeichnet wurden.
(4) fehlende Darstellung der internen Debatte über das Narrativ: Diese Darstellung fehlt in Beckenbachs Artikel. Ich hole sie jedoch mit dem Hinweis auf den Institutstag im September sowie als Kommentar im drittletzten Absatz nach.
(5) Zustimmung des Senats über Institut vorausgesetzt: Hier liegt in der Tat ein blinder Fleck des Artikels, da ich nicht frage, ob und inwiefern eine solche Zustimmung doch vorliegt. Ich werde den Artikel dahingehend ergänzen.

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